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Dienstag, 27. Januar 2015

Peking und die große Mauer


Ein paar Tage nach meinem Dublin ging es nach Peking, der Hauptstadt Chinas. Der Hinflug gestaltete sich relativ interessant und laut, da die Chinesen so gut wie kein Englisch sprechen und auch jegliche Handzeichen auf diesem Flug gekonnt ignoriert haben, warum auch auf jemanden hören der kein Kantonese oder Mandarin spricht...





Angekommen in Peking fiel eine Sache sofort auf, der massive Flughafen. Dubai an sich wirkt bereits riesig auf mich und ich habe bisher so einige Flughäfen gesehen aber Peking... Riesen Terminal, allein die Deckenhöhe ist sehr erstaunlich, wie das architektonisch so zu bewerkstelligen war, aber wohl besser keine weiteren Fragen dazu stellen... :-)

Nach einer kurzen Busfahrt kamen wir im Hotel an. Zwar ist es ein Radisson, aber dazu muss man sagen, dass je nach Kette die Landesdependancen nicht mit den europäischen Ablegern mithalten können. Das Zimmer war mäßig sauber, dank Smog draußen roch es innen auch entsprechend...
Man muss sich Smog so vorstellen: Jemand raucht in einem geschlossenen Raum mehrere Tage ununterbrochen ohne ein Fenster oder eine Tür zu öffnen. Die bereits verrauchte Luft wird nun noch mit Staub angereichert, voila so riecht Smog... Nur leider gibt es den nicht nur im Hotelzimmer sondern auch draußen überall. Das machen die vielen Parks und Grünflächen auch nicht mehr wett...

Ich hatte geplant zur chinesischen Mauer zu fahren. Wie so oft stand ich dann morgens alleine da, da die Damen der Schöpfung sich dazu entschlossen, lieber shoppen zu fahren, wo doch alles so toll günstig ist in China... Konnte mir egal sein.
Ich bestieg ein Taxi, wurde erstmal wild durch Peking gefahren bis ich den Fahrer dazu anhielt mich doch endlich zur Bahn zu bringen... Weiter ging es knapp 2h durch die Wildnis raus zur Mauer. Hier angekommen eine positive Überraschung: außerhalb der Stadt war es nicht nur nochmal 10 Grad kälter sondern es lag auch Schnee. 




Auf zur Talstation der Gondelbahn, Ticket gekauft, gewartet und ab ging es. Die Chinesen haben es raus, mit Menschenmassen umzugehen und diese so zu beherrschen dass es kein Gedränge gibt oder eine zu lange Wartezeit entsteht, vielleicht können sich hier die Inder mal ein Beispiel dran nehmen, das Unsaubere haben sie schonmal gemein...


Oben angekommen war ich erstmal sprachlos: Ich stand vor jahrtausende altem Mauerwerk, hoch oben auf den Bergen über Peking... In solchen Momenten merke ich was für ein Privileg der Beruf mit sich bringt.






Leider spielte das Wetter nicht wirklich mit. Dank Nebel und Smog war die Sicht beschränkt, dennoch konnte ich ein paar gute Bilder machen, die sicher bald auf Leinwand an eine Wand zuhause wandern werden.





Zurück im Tal dann der Schock: mein geplanter Zug kam erst drei Stunden später als geplant, da man spontan entschlossen hatte, es lohnt sich kein früherer. Also entweder warten und Zeit verlieren oder ein "Taxi" nehmen. 
Es kam dann direkt auch schon ein Mann auf mich zu und bot sich an, mich zurück nach Peking zu fahren. Nach einigem Verhandeln gab ich nach und wurde durch die Wallachei zu einer Metro Station gebracht. Ich muss nicht extra betonen, wie unwohl ich mir in dem Privatauto vorkam, sicher nicht die sicherste Variante aber die schnellste.
So hatte ich noch etwas Zeit einen großen Park in Peking zu Besuchen, genannt Temple of Heaven. Hier handelt es sich nicht um eine Tempelanlage sondern um einen großen Park mit diversen Hallen und kleineren Pagoden, die seit der Ming Dynastie existieren und immer weiter erweitert wurden.



Nach gut einer Stunde Metro Nutzung kam ich dann auch am Ziel an und wurde mit etwas Sonne bereits empfangen.




Peking hat sich für mich in Vielerlei Hinsicht gelohnt. Ich habe wieder ein Stück China erkunden können, einen weiteren Pfeil auf der Weltkarte erobert und dazu etwas Kultur erfahren, was es heißt einen deutschen Pass zu besitzen und wie privilegiert man sein kann aus Europa zu kommen.
Jeder meckert und motzt gerne rum, über das Wetter, die Steuern, die Politik,... Wir sollten jedoch nach wie vor glücklich sein für das was wir haben. Ein Dach über dem Kopf, einen festen Job, geregeltes Einkommen aber vor allem für Familie und Freunde, denn viele Menschen in China sind so bettelarm, dass jeder in der Familie hart arbeitet, um überhaupt einen Laib Brot zu haben...

Ich kann es nicht erwarten wieder zuhause zu sein, bei meinen Lieben...



Dublin, oh Dublin

Ich muss mich an dieser Stelle erst einmal ganz doll bei euch allen für die Unterstützung bedanken. Ich hätte nie damit gerechnet so viele Antworten und Mails zu bekommen, danke vielmals dafür! Ich freue mich, wenn ich hier und da Einblicke in mein Leben geben kann ohne die Menschen um mich herum zu langweilen. Auch wenn es nur noch acht Wochen sind, bis ich zurück in die Heimat komme, so bleibt es dennoch spannend.
Die Firma schafft es immer wieder in den letzten Wochen, zu erstaunen und einen zu entrüsten. So geschehen heute morgen. Ich habe in den knapp 18 Monaten wo ich in Dubai lebe sieben Mal vom Flug zurück treten müssen um mich krank zu melden. Bei einem Beruf mit rund 500 Passagieren pro Flug und einer Bazillenschleuder als Klimaanlage finde ich das nicht sonderlich viel, zusätzlich zur Tatsache dass ich durch verschiedene Zeit- und Klimazonen keinen Biorythmus mehr habe und mein Immunsystem auch nicht das stärkste ist.
So kommt es nun, dass ich mich für meine Krankheiten rechtfertigen muss und nun in einer Woche zu Kreuze krieche. Es wird wohl eine schriftliche Verwarnung auf mich zu kommen und eine Upgrade Sperre, was mich allerdings beides nicht sonderlich interessiert, da ich ganz bald kündigen werde, die Tage hierfür sind bereits gezählt...




Zurück nun zum schönen Teil meines Berufes, den neuen Zielen auf der Landkarte. Im Januar hieß das dann Dublin und Peking.
Da Virginia frei hatte, konnte ich sie begeistern, als Passagier mit auf meinen Flug zu kommen. Gesagt getan, 7h später waren wir im kalten Dublin angekommen. Frisch gemacht und los ging es in die Stadt.




Wir hatten nur ein paar Stunden bevor es dunkel wurde, so entschieden wir uns per Sightseeing Bus die Stadt zu erkunden.




Wir kamen bei Guiness in der Brauerei an. Ich trinke sehr gern ein Glas Guiness oder wie an diesem Tag auch mal zwei. Die Tour in der Brauerei war nichts besonderes, jedoch hin und wieder sehr interessant zu sehen, was hier anders gemacht wird als bei deutschen Brauereien.



Am Ende gab es das Highlight, zwei Gläser Guiness in einer 360 Grad Bar auf dem Dach der Fabrik. Leider war das Wetter nicht sonderlich wohl gestimmt uns gegenüber, aber trotz Regen sah man gut über die Dächer von Dublin.






Da das Bier etwas zu stark war für Virginia wurde aus einem zwei Gläser... :-)






Leicht beschwippst nun die Frage: Bildung oder Whiskey? Wir hatten die Wahl entweder das Book of Kells zu besuchen in der Unibibliothek von Dublin oder in die Jamesons Fabrik zu gehen und dort etwas über irischen Whiskey zu lernen... Aufgrund der Zeit und des Wetters entschlossen wir uns für den Whiskey, was wir nicht bereuten.



Zu Fuß ging es also zu John Jamesons Vermächtnis, der Whiskey Fabrik nördlich von Guiness. Hier angekommen genehmigte ich mir erst einmal so etwas wie einen Glühwein aber mit Whiskey und Apfel, also einen Glühwhiskey...

Die Tour war sehr informativ und gut gemacht. Es wurden die Unterschiede zwischen den verschiedenen bekannten Whiskey Sorten auf dem Markt erklärt, was es mit Single Malt und Triple Destilled auf sich hat und wo die Farbe her kommt.




Das Ende der Tour wurde gekrönt durch ein Tasting von Jameson im Zusammenhang mit Jack Daniels und Jonny Walker Black Label. Die drei Marktführer gegeneinander zu testen war eine interessante Erfahrung und machte eins klar: Jonny Walker schmeckt ganz scheußlich im direkten Vergleich mit Jameson.






Von hier aus, gut angetrunken machten wir uns auf den Rück in Richtung Hotel, nicht ohne vorher an einem Pub anzuhalten und etwas zu essen.
Ginnys Schwester und Mann waren vor einiger Zeit einmal in Dublin und hatten uns einen Tipp gegeben was das Abendessen anging. Wir wurden nicht enttäuscht. Am Kaminfeuer genossen wir unser Essen was aus Truthahn, Kartoffel Pü und allerlei Gemüse bestand.
Dazu ein Bier und fertig war der perfekte Kurztripp in Dublin...



Es folgt als nächstes ein Bericht nach Peking.


Samstag, 17. Januar 2015

"Unsere Träume, unsere Sehnsüchte und bunten Hoffnungen..."

"... wollen ernst und wichtig genommen werden. Wer sie verdrängt, unterdrückt das Beste in sich und wird ein leerer Mensch..."

Es ist an der Zeit, dass ich ich etwas über meinen Traum erzähle, warum ich ihn am Ende zwar erfüllen konnte aber anders als gedacht. Dazu muss ich etwas ausholen, also ist jetzt die beste Gelegenheit noch einmal auf Toilette zu gehen oder sich etwas zu trinken zu holen... :-)

Noch bevor ich meine fliegerische Karriere Ende 2011 in Gang setzte, hatte ich Emirates im Kopf. Bereits zu dieser Zeit hatte ich von Kollegen gehört, welch Prestige und Ruf die Airline im mittleren Osten genießt, das dort Fliegen noch wie früher zu Pan Am's Zeiten sein sollen, Dinge die ich heute mit anderen Augen sehe.
Aufgrund damaliger Lebensumstände bewarb ich mich bei der Germanwings, erwarb dort gewisse Zeit Erfahrung, lernte über die Fliegerei und die Veränderungen seit 2001, Sicherheitsbestimmungen und wie Passagiere wirklich denken.
Zu meinem eigenen Erstaunen machte mir dieser Beruf sehr viel Spaß. Ich bin sonst generell jemand, der auf der Hälfte direkt aufgibt, nicht wirklich daran interessiert ist best. Dinge bis zum Ende zu bringen, es gibt diverse Beispiele.
Trotzdem wusste ich, die Fliegerei wird von nun an immer ein Teil meines Leben sein und bleiben.
Mir wurde bei Beginn im Lufthansa Konzern gesagt, wer einmal in die Fliegerei kommt hat nur zwei Möglichkeiten: entweder man macht es der Reisekonditionen wegen und geht nach max. 6 Monaten (der Probezeit) wieder oder der Virus hat einen gepackt und man bleibt ein Leben lang dabei, egal wie das aussieht. Diesen Virus habe ich mir eingefangen, Reisevirus, Flugvirus, wie auch immer man ihn nennen mag.

Ich war eine Zeit sehr glücklich bei der Germanwings. Motzen und schimpfen gehört zu einem Job genau so dazu wie sich zu beklagen wie schlecht es einem doch manchmal geht, bei mir zumindest. Trotzdem wusste ich insgeheim, etwas fehlt. Ich hatte eine schöne kleine Wohnung, tolle Nachbarn, ein tolles Auto (welches auch einen Unfall überlebte) gesichertes Einkommen, tolle Reisekonditionen, was wollte ich mehr....
Mein damaliger Vertrag war auf 24 Monate befristet. Zum Ende hin wusste ich jedoch, ich bleibe hier nicht, zumindest erstmal nicht. Ich wollte etwas von der großen weiten Welt sehen, auf einem großen Flieger arbeiten mit mehr als 200 Plätzen, mehr als nur 4 Kollegen haben, heute hier und morgen dort sein, eben alle Klischees erfüllen.
Lufthansa stellte nicht ein, also bewarb ich mich bei zwei großen Airlines, Swiss und Emirates. Beide nahmen mich, ich entschied mich jedoch für den Riesen aus Dubai, ohne mir im Vorfeld wirklich klar zu machen, was ich da alles für aufgeben werde, was sich verändern wird und wie ich mich verändern werde.
Überglücklich und stolz es geschafft zu haben (es bewerben sich jährlich mehr als 100.000 Menschen bei Emirates und nur 5% bekommen die Stelle) organisierte ich alles, verkaufte das meiste und verließ schließlich Ende August 2013 die heimischen Gefilde, ließ meine Mutter nun ganz allein und meinen Freund auch.

Es schien anfangs wirklich wie der Traum. Alles war hochmodern, die gestellten Wohnungen, der meist gut funktionierende Bus Shuttle, das Training. Der Ton hier war jedoch nicht freundschaftlich sondern schon bestimmt, man musste in knapp 8 Wochen Training "nur" zwei Flugzeuge lernen (ein A380 mit zwei Decks sind direkt schon doppelte Arbeit), bestimmte Regeln einhalten und auch sonst erst einmal in einem islamischen Land zurecht kommen.

Dubai im Katalog, Reiseführer und TV wird immer als Metropole dargestellt, Luxus pur, Oase in mitten von Wüste... Alles wirkt auf den Touristen auch so, aber für die Leute die hier leben sieht es schon ganz anders aus. Hier geht dann langsam der negative Teil los.
Man sagt immer man soll nie schlecht über seinen Arbeitgeber reden, so werde ich dies auch nicht tun. Dennoch Dinge aufzählen die mich erschreckt haben, mit denen ich nicht klar gekommen bin und an die ich mich auch jetzt, nach gut 1,5 Jahren noch nicht gewöhnt habe...

Kurz zu Dubai und Umgebung. Das luxuriöse Leben, die Gebäude, alles gut und schön aber die Leute die es gebaut haben, an die denkt keiner. Der Burj Khalifa, das noch höchste Gebäude der Welt entstand über mehrere Jahre hinweg. Dabei, so sagt man, sind mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Nicht aufgrund von Selbstmorden, sondern nicht eingehaltenen oder nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen oder schlicht weg durch sehr sehr schlechte Arbeitsbedingungen. Es wurden 24h Schichten gefahren, bei Ermüdung oder Resignation wurde der Arbeiter gegen einen neuen ausgetauscht, der Zulauf ist da. Denn hier, trotz schlimmer Bedingungen verdienen Menschen auf der Baustelle immer noch mehr als in ihrem Heimatland. So kommt es, dass meist nur Pakistanis und Bangladeschis auf Baustellen zu finden sind.

Genug von der Umgebung, zurück zu mir. Emirates fliegt zu 99% Ziele auf der Welt an, wo eine größere Population Inder wohnt. Der Erstflug 1988 ging nach Karachi, Pakistan. Der Schwerpunkt des Betriebs liegt also in dieser Richtung. Dementsprechend viele Menschen aus diesen Gefilden sind an Bord zu finden. Generell nicht so schlimm sagt man jetzt, wer aber einmal eine Strecke mit mehr Indern (diese stehen stellvertretend für Pakis, Bangladeschis und Co) als anderen Gästen geflogen ist, weiß wie schwer diese einem die Arbeit machen.
Von Beleidigungen, körperlichen Angriffen ist alles dabei. Das schlimme, es wird in der Firma immer so gedreht, dass man es selbst schuld ist.
Sollte man einem Gast nicht sofort den Wunsch von den Augen abgelesen haben, wird dieser sich über einen beschweren, man wird zum Management gerufen und muss sich verantworten.

Das klingt alles generell vielleicht etwas übertrieben, ist es aber nicht. Man kann auch solche Zustände aushalten, denn generell gilt, je mehr der Gast zahlt, desto ausgefallener werden seine Ansprüche und Beschwerden, man kann aber auch aus mehr Produkten schöpfen. In der Economy ist das schon relativ schwierig. Man soll sich hier zwar, laut Firma, auch immer ein Bein ausreissen aber wenn man eben nur noch ein Lamm Menü hat, kann man nicht mal eben zum Supermarkt um die Ecke um ein Hühnchen zu kaufen. Erwartet wird es allerdings...

Zurück zu meinem Traum. Mein Traum war es, Langstrecke zu fliegen, Gästen Weine in Gläsern anzubieten, mit richtigem Geschirr und Besteck den Tisch zu decken und sich auf Dauer quasi von unten nach oben zu arbeiten, von Economy, Business, First hin zu einer leitenden Führungskraft an Bord, so der Plan.
Langstrecke fliege ich überwiegend hier, das passt also schonmal. Ich arbeite hin und wieder in der Business Class, wenn mal wieder Not am Mann ist und die Crew Planung so schnell keinen Kollegen als Ersatz rausrufen kann. Nach oben arbeiten, das habe ich mir mittlerweile aus dem Kopf geschlagen. Ich hatte bereits auf einem 15h Flug von Sydney nach Dubai die Chance als SFS zu arbeiten (Senior Flight Steward), also in einer leitenden Position in der Economy Class. Es hat viel Spaß gemacht, die Verantwortung ist jedoch einfach zu hoch. Man ist für jeden Piep verantwortlich, sollte sich auch nur ein Gast beschweren ist es mein persönliches Problem. Auf 15h beschwert sich immer der ein oder andere, weil er auf sein Glas Wasser nun 5min warten musste...

Zurück zu den Arbeitsbedingungen. Als ich anfing war es noch nicht so drastisch, wie es sich in den letzten Monaten entwickelt hat. Die Firma wächst rasant, fast exponentiell. Pro Woche starten rund 100 neue Leute in Kursen. Es kommen pro Monat mindestens zwei neue Flugzeuge zur Flotte. Die Kehrseite: es kündigen wöchentlich 180 Leute, melden sich rund 800 Leute krank. Bei 22.000 Kollegen eine ernstzunehmende Zahl.
Aus diesem Grund gab es letzten Herbst eine Umfrage, was die Firma denn anders machen sollte, um die Leute zu halten.

Das Problem hier sind die Vorschriften im Aussehen und dem Verhalten, die man kaum erfüllen kann. Das Idealbild eines Flugbegleiter hier ist dünn, wenig Oberweite bei Frauen, perfekte Haut, keinen Makel in der Persönlichkeit, immer faltenlose Uniformteile... Die Liste geht endlos weiter. Man bekommt diese Standards an die Hand und kann versuchen sich so gut es geht dran zu halten. Da aber jeder einzelne SFS oder auch Purser (der Verantwortliche über Alles, direkt dem Kapitän unterstellt) seine eigenen Regeln aufstellt und erwartet, dass man sich daran hält auch wenn man sie nicht kennt, macht einem das Leben und vor allem die Arbeit wirklich schwer.
Es gibt kaum einen Flug, wo man einfach nur seinen Job machen kann, denn jeder hat immer etwas auseinander zu setzen. Es gibt kein "Danke", nur "warum ist das nicht so und so gemacht worden".

Auch das mag alles für den Außenstehenden noch leicht zu ertragen klingen. Ich füge noch zwei Punkte hinzu, die in der Mischung schwer auszuhalten sind für einen, der deutsches Arbeitsrecht gewohnt ist.
Der erste Punkt sind die vielen Nationalitäten in der Kabine, momentan rund 165. An sich eine super Sache, man lernt viel voneinander. Aber es gibt sehr oft Verständigungsprobleme, aufgrund der Herkunft. Es gab bereits Fälle, wo ich mir dachte, wenn es jetzt passiert, wenn jetzt der Flieger abstürzt dann wird es eine Katastrophe aus der keiner lebend rauskommt, einfach weil keine Kommunikation unter einander statt gefunden hat. Unter anderem liegt dies daran, dass viele Kollegen mit 21 (Mindestalter) direkt von der Schule kommen, ohne Lebenserfahrung und ohne Sinn eigene Entscheidungen treffen zu können... Bei einer A380 mit 510 Gästen an Bord braucht man aber eigenes Denken, da man sonst alleine gegen eine Wand rennt...

Der zweite Punkt der massiv ins Gewicht fällt ist die Legalität. Man spricht in der Fliegerei von Legalität, wenn es um Gesetzmäßigkeiten geht wie z.B. Flugzeiten und Ruhezeiten.
Ruhezeiten in Dubai sind ähnlich derer in Deutschland, allerdings macht es einen Unterschied ob ich nur 12h zwischen zwei Berlin/Zürich Flügen habe oder zwischen zwei Tokio/Los Angeles. Der Körper kommt da nicht mehr mit, allein vom Biorhythmus. So traf es bei mir letzten Februar zu, dass ich Montags Abends aus Australien zurück kam, dann Mittwochs morgens weiter nach München, Donnerstag Abend zurück in Dubai und Freitag mittag bereits nach New York. Das sind rund 15h Unterschied innerhalb von vier Tagen, in keinem Land zulässig, in den Emiraten sehr wohl erlaubt und gewünscht, weil man seine Crew so schneller benutzen kann, wer braucht denn schon Schlaf.

Diese Müdigkeit, in der Fliegerei Fatigue genannt, führt zu grober Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit der Sicherheit an Bord. So kann es passieren, dass man aus Hektik und Erschöpfung eine Tür öffnen, die noch im Flugmodus ist, also deren Notruschte bei Öffnung sofort aufbläst. Ein Schaden für die Firma von rund 10.000$, die Verspätung durch den Austausch der Maschine nicht mit eingerechnet.
Man nimmt dieses Risiko jedoch lieber in Kauf, bevor man den Crews mehr Schlaf zuspricht...

Alle diese Punkte zusammen genommen bekommt man eine Mischung, der ich einfach nicht länger als notwenig ausgesetzt werden möchte. Der Verdienst hier ist schon super, keine Steuern zahlen, keine Wohnung, kein Auto. Auf der anderen Seite habe ich kein Privatleben. Ich schlafe die meiste Zeit wenn ich in Dubai bin, da ich einfach total fertig bin.
Aus diesen Punkten und noch vielen kleineren, die den Rahmen massiv sprengen würden, habe ich im Dezember die Entscheidung getroffen, mich vom Traum zu verabschieden und wieder ein geregelteres Leben in Deutschland zu suchen, ohne Langstrecke dafür mit Privatleben.
Ich genieße meine letzten Wochen hier. Natürlich ist die Langstrecke nach wie vor ein toller Weg etwas von der Welt zu sehen. Jedoch geht meine Gesundheit mittlerweile vor.
Ich nehme leichter zu als ab, was nicht am Alter liegen kann, noch nicht ;-)
Habe massiven Unrythmus im Schlafen...

Ich habe viel gelernt in meiner Zeit hier. Habe viele tolle Menschen kennen gelernt, u.a. eine tolle sehr gute Freundin an meiner Seite gehabt, die mir viel Heimweh erspart hat,  DANKE Ginny an dieser Stelle!
Ich konnte sehr viel sehen von der Welt, jetzt heißt es "I'm coming home". Ab April geht es bei der Germanwings wieder auf Kurzstrecke. Ich kann es kaum erwarten euch wieder zu sehen, freue mich auf das wechselhafte Wetter in Deutschland und keinen Sand mehr überall ;-)

Bevor es so weit ist, geht es am Dienstag erstmal noch nach Dublin, am Freitag nach Peking und am Montag drauf Johannesburg...

Montag, 12. Januar 2015

Frohes Neues Jahr 2015


Ich wünsche euch ein Frohes Neues Jahr 2015, auf viel Erfolg, Gesundheit und all das was ihr euch wünscht!Ich habe für dieses Jahr große Pläne, aber dazu gleich mehr.



Dank netter Kollegen konnte ich ja meinen Chicago gegen Lagos tauschen, kam also am 01.01.15 aus Nigeria zurück und bestieg spät Abends wieder den Bus Shuttle nach Abu Dhabi um von dort aus heim zu fliegen. Da ab Dubai alle verfügbaren Airlines bereits voll waren, musste ich wieder auf die Hauptstadt ausweichen. Der Bus braucht rund 2h, man sitzt bequem und es gibt umsonst Wasser, was will man mehr. Dazu ist er noch umsonst wenn man ein Ticket mit Etihad oder einer der Partnerairlines hat.
Ich fliege mittlerweile sehr ungern Standby, heißt ich komme immer nur dann mit, wenn noch ein Platz auf der Maschine frei wird. Manchmal kann sich das erst in letzter Sekunde entscheiden, manchmal ist aber auch einfach viel Platz. Es ist eine Art Glücksspiel, bei dem man wissen muss, wie die Regeln sind und wie man vom Hof kommt wenn es einmal nicht klappt...




Es standen also Etihad, Lufthansa und AirBerlin zur Auswahl.Etihad lud mich in letzter Minute noch vom Flug, da es keine freien Plätze mehr gab. Lufthansa ließ auch lange auf sich warten, nahm mich aber in letzter Minute auf dem letzten Platz doch noch mit, nach Frankfurt... Hauptsache Deutschland...
Wieder Zuhause angekommen, dank ICE, ging es ans Backen.
Es stand der 40. Hochzeitstag von Heikos Eltern auf dem Plan. Es sollte ein Überraschungsparty werden, mit Verwandten und Freunden und natürlich leckerem Essen.Nur so viel, die Überraschung ist gelungen, das Essen war super und wir hatten viel Spaß.






Nachdem dann die letzten Überbleibsel der Party aufgeräuhmt waren, ging es zurück zur Normalität, fast zumindest. Zuerst ging es einen Tag lang in die Sauna nach Bergisch Gladbach, Mediterana mit Mama. Der Tag Entspannung tat uns beiden gut, denn ich hatte mir für Donnerstag etwas großes vorgenommen...
Ich weiß seit längerem, dass ich nicht dauerhaft in Dubai bleiben möchte, aus verschiedenen Gründen. Die Chance bot sich nun, zurück zu meiner alten Airline zu gehen, Germanwings. Nach einem langen und harten Tag stand dann die Entscheidung fest, man würde mich wieder nehmen, Mitte April geht die Schulung los und ab Ende Mai darf ich dann wieder auf meinen geliebten kleinen A319 fliegen...

Die nächsten Monate werden also nun turbulent. Ich habe viel zu regeln, Sachen nach Hause zu bringen, Internet und Co zu kündigen, mein Visum auflösen zu lassen, Dinge die man eben tut wenn man ein fremdes Land verlassen will...
In den nächsten Tagen stehen nun folgende Flüge an: es geht erst nochmal nach Düsseldorf, danach direkt nach Singapur, nach Dublin, Peking und Johannesburg. Dazu kommt zwischen drin eine Schulung zum Peer Support Mitarbeiter. Näheres dazu im nächsten Eintrag...


Kapstadt und Weihnachten

Nach meinem Ausflug in den asiatischen Osten ging es ans Kap der guten Hoffnung, nach Kapstadt.
Ich habe mich lange auf diesen Flug vorbereitet und gefreut. Hier steht eine sehr berühmte Patisserie namens Charly's Bakery. Über diese gibt es eine TV Serie, über den Aufstieg des Ladens, die Familie hinter dem Geschäft sowie der tragische Tod des Gründers, Charly.Ich wurde, wie öfter mal, dafür verspottet, dass ich an meinen Layovern in Genusstempel gehe, anstatt mir etwas von der Landschaft anzusehen. Dazu muss ich sagen, dass man ein Land nur dann kennen lernen kann, wenn man seine Speisen kennen gelernt hat.





Der Flug erwies sich als sehr angenehm. Viele Südafrikaner an Bord, generell ein sehr nettes Völkchen. Trinkfreudig aber auch redselig, man lernt also die Lebensgeschichte der alte Oma genauso kennen, wie die Geburt der Kinder einer vier köpfigen Familie.Also alles in allem ein entspannter Flug.

Nach so einem Flug geht dann meist die Erwartungshaltung an eine Stadt los: wie werden die Einheimischen vor Ort sein, wie ist das Essen wirklich, die Weine, das Wetter, finde ich ein paar schöne Souvenirs für zuhause...Im Bus zum Hotel dann die erste Sprachlosigkeit: Am Strassenrand liegen die Townships, kleine Siedlungen die meist nur aus Wellblechhütten bestehen, meist keine Elektrizität haben und einen wieder daran erinner, wie gut es einem geht.Neben den Townships fängt dann direkt das Stadtzentrum Kapstadts an, noble Villen, viel Luxus,... Ich habe selten in einer Stadt Arm und Reich so nah Tür und an Tür leben sehen wie hier.




Landschaftlich muss man sagen, dass es atemberaubend ist. Der Tafelberg und der Löwenkopf als Panorama im Hintergrund sind einmalig. Dazu hatten wir strahlenden Sonnenschein und 30 Grad, was will man mehr.
Nach dem Einchecken ging es dann direkt los. Ich zog wie so oft alleine los (ob ich zurück in Deutschland überhaupt noch in einer Gruppe losziehen kann wird sich zeigen...). An der Rezeption holte ich mir Tipps, wie ich am besten zu Charlys Laden kam. Dort wusste man auch direkt wo ich hin will und musste lächeln, dass ein Deutscher, weit gereist, als erstes diesen Laden sehen will.
Ich bin in der letzten Zeit viel rumgekommen, habe viel gesehen und bin viel gelaufen. Allerdings unterschäze ich immer wieder die Distanzen auf den Stadtkarten. So auch dieses Mal.





In Flip Flops zog ich los, in Richtung Townships, da die Patisserie an der Grenze zwischen Stadt und Townships liegt (hier werden auch viele Leute aus dem näheren ärmeren Umfeld beschäftigt, was mir sehr gut gefällt).Nach gut 20min gelangte ich zuerst zum Green Market. Hier werden allerlei Antiquitäten und Souvenirs für Touristen verkauft. Ich wusste, wenn ich hier etwas finde, dann muss gehandelt werden. So kam es, dass ich an einem Stand ein MaskenPaar fand aus dem Stamm der Zwaheli. Nach längerem hin und her, einem "my friend I make you good german price" gelang es mir den Preis von 100 auf 60 Euro zu senken. Nun hatte ich also zwei große Masken (rund 60cm Länge) in einer Tasche, musste aber noch weitere 15min laufen bis ich endlich im Laden ankam. Vorausdenken klappt halt doch nicht immer so gut wie ich denke...



Etwas geschwitzt aber glücklich schaffte ich es schließlich den Laden zu finden. Wie erwartet musste ich mich in einer langen Schlange anstellen, es war die Zeit allemal wert!Ich habe selten so eine tolle und vor allem farbenprächtige Auswahl an Gebäck in einer Theke gesehen wie hier. Die Afrikaner sind eben nicht nur ein Volk voller Farben, sie leben es auch aus, super schön!
Gestärkt und mit vollen Taschen ging es dann zum Hotel zurück. Man Körper sagte er braucht nun Schlaf, mein Kopf wollte noch die Hafenfront erkunden. So kam es, dass ich das nächste Hotelshuttlle zum Hafen nahm und dort den beginnenden Abend genießen konnte.





Vom vorher kalten Japan war das sommerliche Kapstadt ein waher Segen auf der Haut. So genoß ich dann auch passend ein Glas Weißwein aus der Gegend und eine nie zuvor gesehene Portion Rippchen am Hafen, bevor ich meinen Rückweg antrat...


Den Rückweg durfte ich nun im Cockpit antreten und so noch eine schöne Ansicht genießen, Kapstadt von oben, einmalig!






Nach Kapstadt stand eigentlich Stockholm auf dem Plan. Ich hatte diesen Flug mit meinem Shanghai getauscht, um doch am 24.12. noch zuhause sein zu können. Die Firma hatte mir über Weihnachten frei gegeben, quasi als Weihnachtsgeschenk...




Durch den Klimawechsel hatte sich jedoch, wiedermal, ein kleiner Virus eingenistet, sodass ich flachlag, abends jedoch noch flott ein paar Plätzchen mit Ginny backen konnte.






Die gute Seite: einen Tag früher heim fliegen, ohne Stress, dachte ich. So kam es, dass ich spontan ein Ticket der AirBerlin buchte, einen Bustransfer nach AbuDhabi organisierte um von dort nachts abzufliegen und nachmittags in Düsseldorf anzukommen...

Leider kreuzte da der A330 der Firma meine Pläne. Die Maschine, welche mich hätte nach Hause bringen sollen, entschied in Abu Dhabi kaputt gehen zu wollen, Triebwerksprobleme. Dies resultierte in einer Verspätung von ein paar Stunden, da man erst eine neue Maschine einfliegen lassen musste. Da man aber spontan keine A330 zur Verfügung hatte, wurde es ein A321. Anstatt 300 also nur 180 Plätze. Generell kein Problem, wenn da nicht zwei Probleme wären: der Tank ist nicht ausreichend um knapp sieben Stunden zu fliegen, eine Zwischenlandung zum Tanken wurde also nötig. Zudem ist die Bestuhlung sehr eng, sodass ich nicht gerade sitzen konnte. Dazu die Erkältung und man weiß es war ein anstrengender Tag. Die Zwischenlandung fand in Constanta statt, am schwarzen Meer, auf einem Militärflughafen, mitten im Nirgendwo... Eine interessante Erfahrung....

Es war sehr schön dieses Jahr Weihnachten zuhause sein zu können. Ich habe die Tage sehr genossen. Da ich über Neujahr nach Chicago fliegen sollte um danach dann offiziell Urlaub zu haben entschloss ich auch diesen Flug zu tauschen. Ich war bereits 2012 mit Heiko in Chicago, wollte mir keine 15h Flug antun nur um dann nach knapp 24h direkt wieder zurück nach Dubai fliegen zu müssen. Da muss ich sagen, ist mir mein Schlafrythmus dann doch wichtiger. Der Tausch klappte, ich konnte anstelle der USA nach Nigeria, nach Lagos... 

Manche sagen nun, der Tausch ging für mich nach hinten los. Ich denke jedoch anders, da es hier mehr Spesen gibt und das Hotel und das Essen traumhaft sind... Ja ich reise quasi von einem Ort zum anderen nur wegen der Kulinarik :-)