es ist nun etwas länger her, dass ich mich hier gemeldet habe. Anfang des Monats stand ein Glasgow Flug auf dem Programm. Der Hinflug in die schottische Stadt verlief soweit gut, anfängliche Sprachbarrieren wurden nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell überwunden. Es ist jedoch immer wieder verwunderlich wie man Wasser hören kann und es am Ende dann doch der Rotwein ist...
Am Flughafen angekommen wird man direkt mit der Natur der schottischen Highlands quasi erschlagen. Der normale Weg aus einem Flugzeug führt durch die Abfertigungshallen, zur Einreise, Gepäckband und Zoll... Glasgow beginnt hier bereits anderrs, bevor man durch die Hallen geschleust wird gelangt man in einen Korridor mit Natur, also grün an den Wänden, es werden Walgeräusche gespielt, man kommt sich direkt wie im Wald vor. So etwas kannte ich bisher noch nicht von einem Flughafen, aber hier wird bereits der Maßstab gesetzt für das was da noch kommen sollte...
Draußen erwarten einen Blumen, in jeglicher Form (für einen Flughafen auch eher ungewöhnlich).
Im Hotel angekommen, es war bereits später Mittag, entschied ich mich, durch die Stadt zu laufen um dann nach Stirling raus zu fahren, Stirling Castle zu erkunden und etwas von den schottischen Highlands zu sehen.
Glasgow an sich hat keine großen Schönheiten zu bieten, die typischen Einkaufsstraßen die man überall findet gepaart mit alten Kirchen und Bauten.
Was auffällt sind die zweisprachigen Namensschilder an den Gebäuden, Englisch und ich vermute es ist Gälisch, bin mir da aber nicht sicher... Interessante Sprache, die auch in Zugansagen gesprochen wird und den eh schon schweren Dialekt nicht unbedingt einfacher macht.
Der Zug nach Sterling fährt alle 30min und ich hatte Glück da meiner gerade zur Abfahrt bereit stand. Ein Novum in Schottland sind die modernen Züge. Jede Einheit besitzt gratis WLAN Zugang was für mich als Internetjunkie natürlich Paradies ist...
Vorbei an Gebirgsformationen ging es nach Stirling welches rund 40min ausserhalb von Glasgow, auf einem Hügel liegt.
Der Weg zu Stirling Castle gestaltete sich etwas steil, zumal ich, wie so oft, bereits 20h auf den Beinen war und nicht mehr der fitteste. Nicht dass ich das sonst bin, aber zumindest meist ausgeschlafen...
Da zum Winter hin, sprich ab 01. Oktober die Öffnungszeiten geändert wurden, schloss der Ticketverkauf bereits um vier, was sich dahin gehend schlecht traf, da ich erst um kurz nach vier oben im Schloss ankam. So genoss ich die Aussicht, hielt ein Schwätzchen mit den Damen im Souvenirshop und begab mich zurück zur Bahnstation.
Im Zug konnte ich einen schönen Sonnenuntergang hinter grünen Hügeln genießen. In solchen Momenten wird mir klar, wie sehr naturverbunden ich wirklich bin, wie sehr ich einfach viel grün um mich herum brauche...
Der Rückweg war dann eher holprig, da am Ende die Polizei zur Verstärkung anrücken musste, da sich eine da Dame dazu entschied, dank zuviel Rotwein aufmüpfig zu werden...
Seit Anfang Oktober war ich zudem im Stress, zumindest kopftechnisch. Als Flugbegleiter, egal welcher Airline muss man einmal pro Jahr zum sog. Recurrent, in meinem Fall zwei Tagen gespickt mit Klausuren und Wissenstest, Simulatoreinheiten und Feuertest, die zur Lizenzerhaltung dienen und das Wissen im Kopf wieder etwas greifbarer machen sollen.
Zwischen meinem Glasgow und diesen beiden Tagen stand jedoch noch ein kurzer Hüpfer nach Pakistan an. Als dieser dann vorbei war, hieß es pauken bis nachts, da man rund 1000 Seiten Handbuch dann doch nicht täglich abrufen muss, zum Glück!
Nach zwei stressvollen Tagen war es dann alles geschafft. Zudem war es schön bekannte Gesichter im doch so anonymen Dubai zu sehen, da ich Teile meiner alten Trainingsgruppe mit dabei hatte und wir, wie bereits vor einem Jahr, lautstark unseren Spaß zum Besten gaben...
Mein Plan für den Rest des Monats sah nun noch einen Lahore, Medina und Delhi Turnaround vor, also ein Flug ohne Aufenthalt vor Ort. Da ich danach jedoch drei freie Tage hatte, bevor es für mich nach Moskau geht, konnte ich durch geschicktes tauschen meiner Flüge 4,5 freie Tage daraus machen. Delhi wurde zu einem freien Tag und Medina zu Dhaka.
Das führt mich zu meinem nächsten Thema, Arbeiten mit Menschen aus Drittweltländern. Lahore liegt in Pakistan, relativ westlich. Pakistan hat in der nahen Vergangenheit traurige Bekanntheit erreicht, da hier von der einheimischen Airline Pakistan International Airlines, kurz PIA, eine Maschine in Peshawar beim Anflug auf den Flughafen angeschossen wurde. Eine Dame starb, ein paar Kollegen aus der Kabine mussten auf die Intensivstation, dem Rest ist außer einem großen Schrecken nichts passiert. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich dann ein paar Tage bevor ich nach Lahore geflogen bin, was dem ganzen nicht wirklich geholfen hat.
Um die Situation besser zu erklären muss ich etwas ausholen. Dubai besteht zu max 30% noch aus Emiratis, also Einheimischen. Der Rest sind sog. Expats, also Leute aus aller Welt wie ich, die nach Dubai gezogen sind um zu arbeiten. Dann gibt es eine Schicht, die nach Dubai kommt zum Arbeiten um den Expats das Leben zu ermöglichen. Diese armen Seelen kommen aus Dritt- oder Viertweltländern wie Pakistan, Bangladesh oder Nepal.
Der Weg nach Lahore bringt also Arbeiter nach Hause, die seit langem nicht mehr zuhause waren, vollgepackt mit allen Dingen, die sie in Dubai zum Leben bzw. Überleben gebraucht haben. Diese Menschen haben bereits auf der Hinreise ein Flugzeug von innen gesehen und wissen zumindest vage was ein Gurt ist und wie die Toilette zu bedinenen ist bzw. dass sie zu bedinenen ist und nicht nur ein Loch in der Wand ist. Diese Flüge gestalten sich meist ganz angenehm, da die Gäste, meist Männer dankbar um jedes Lächeln sind, um jede extra Cola und Whiskey den sie bekommen ohne dass man die Miene verzieht.
Der Rückweg von solchen Zielen zurück nach Dubai bedeutet also, man bringt zum Teil neue Arbeiter in die künstliche Welt um sie auszubeuten. Diese kennen so gerade Strom und fliessend kaltes Wasser sowie eine offene Feuerstelle. Nun sollen die einen Touchscreen bedienen können um auf den 2,5h einen Film zu schauen, sie sollen das Menü lesen können und die blaue Taste in der Toilette als Spülung erkennen, finde den Fehler... Das führt dazu, dass viele Kollegen oft frustriert von solchen Flügen zurück kommen, denn sie erwaten zu viel...
Ich sage nicht, dass diese Flüge nicht anstrengend sind, aber sie sind eben anders als ein Flug nach München oder Hamburg, wo man weiß, dass so gut wie jeder der 500 Gäste schonmal einen Touchscreen bedient hat und sonst auch weiß wie er sich zu verhalten hat...
Samstags Abends bin ich dann nach Dhaka aufgebrochen, wir haben drei Flüge täglich in diese Stadt, einen davon als Aufenthalt auf den kleineren Airbus Modellen, auf denen ich leider nicht geschult bin. Kollegen erzählen davon, auch wie sie ein Waisenhaus besuchen und sich um die Kindern für einen Tag kümmern. Ich habe sehr viel Respekt vor diesen Kollegen, da ich selbst mit der Situation vor Ort nicht umgehen könnte. Ich konzentriere mich lieber auf meine Katzenhilfsorganisation in Dubai die Hilfe braucht...
Sonntag morgens wieder gekommen, in die nächste Maschine heim gesetzt, bis Donnerstag Abend. Dann geht es zurück, es wartet ein kurzer Kuwait auf mich, ein Hamburg, nochmal ein Kuwait und schließlich ein Shanghai auf den ich mich sehr freue, denn ich fliege endlich wieder mal mit Virginia und dazu noch an ihrem Geburtstag...