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Dienstag, 28. Oktober 2014

Unerwarteter Sydney und Auckland Trip und neuer Plan

Nach meinem letzten Beitrag hat sich mein Plan etwas geändert.
Anstelle des Kuwait Hamburg hatte ich das Vergnügen nach Sydney fliegen zu dürfen. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Australien Flüge, nicht dass ich die Menschen nicht mag oder das Land, aber ich finde Asien und die USA einfach reizvoller...
Das große Staunen kam als ich aus dem Bereitschaftsdienst Sonntagmorgen aktiviert wurde und dann an Bord der A380 erfuhr, dass ich die nächsten sechs Tage in der Business Class arbeiten würde.



Dementsprechend steigerte sich meine Freude, denn 14h Flug im Upper Deck sind ganz anders als auf dem Main Deck... Im Vergleich: 399 Passagiere zu 76... Ein großer Unterschied, nicht zu unterschätzen wie sich heraus stellte...

Direkt beim Begrüßungsgetränk stellten sich die Tücken eines großen Tabletts heraus, ein Mann genoss eine unfreiwillige Champagnerdusche da ich mein Tablett nicht mehr kontrollieren konnte und gegen eine Begrenzung gerannt bin...
Er nahm es Gott sei dank mit Humor....





Neben a la carte Service zählt in der Business Class vor allem Menschlichkeit. Die meisten Gäste fliegen viel und lang, kennen das Produkt und wollen einfach mal wieder einen netten Plausch halten und nicht das monotone, einstudierte Gelaber...
Also wie gemacht für mich, denn reden kann ich gut und viel und gern :-)



In Sydney angekommen ging es flott um die Ecke in einen Supermarkt, dann hieß es erstmal schlafen, denn ich hatte die Nacht zuvor wenig Schlaf bekommen, momentan leider eine Alltäglichkeit...
Am nächsten Tag ging es bereits weiter nach Auckland, abends dann mit Teilen der Crew schön essen und noch einen Absacker an der Bar zu sich nehmen...
Da ich bereits einige Male nun in Auckland war, beschloss ich den nächsten Tag lieber meine Schlafreserven aufzufüllen für Sydney...



Zurück in Sydney (die Flugzeit zwischen Australien und New Zealand sind nur knapp 3h pro Strecke) ging es dann los, bei traumhaft warmem Wetter zum Hafen und zum Opernhaus.
Da in Australien, gegensätzlich zur Nordhalbkugel nun der Sommer beginnt war es schön einfach mal in der Sonne zu spazieren, eine noch fremde Stadt zu erkunden und die frische Seebrise zu genießen.





Natürlich gibt es in Dubai immer noch Sonne und Wärme, auch wenn wir langsam auf den Winter zu gehen, allerdings ist die drückende Wärme hier momentan kaum auszuhalten... Die 50 Grad noch vor ein paar Wochen waren leichter zu ertragen als das stark schwüle Klima...

14h später in Dubai zurück gekommen, zwei Tage frei, dann gestern einen schnellen Kuwait geflogen und heute Nacht dann nach Shanghai...



Der Plan für November sieht, nach einigem Bearbeiten nun auch wieder besser aus: Ich fliege erst nach Brisbane und wieder Auckland (momentan wohl meine zweite Heimat), dann habe ich vom 10.-19.11. Urlaub wo mich Heiko und Mama besuchen kommen, dann geht es Guangzhou in China, nach Lagos in Afrika, es wartet wieder ein Kuwait und am Ende des Monats ein München auf den ich mich sehr freue, da ich dringend meine Vorräte an Weißwurst und Co wieder aufstocken muss...

Samstag, 18. Oktober 2014

Glasgow und Erfahrung mit der dritten Welt...

Meine Lieben,
es ist nun etwas länger her, dass ich mich hier gemeldet habe. Anfang des Monats stand ein Glasgow Flug auf dem Programm. Der Hinflug in die schottische Stadt verlief soweit gut, anfängliche Sprachbarrieren wurden nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell überwunden. Es ist jedoch immer wieder verwunderlich wie man Wasser hören kann und es am Ende dann doch der Rotwein ist...
Am Flughafen angekommen wird man direkt mit der Natur der schottischen Highlands quasi erschlagen. Der normale Weg aus einem Flugzeug führt durch die Abfertigungshallen, zur Einreise, Gepäckband und Zoll... Glasgow beginnt hier bereits anderrs, bevor man durch die Hallen geschleust wird gelangt man in einen Korridor mit Natur, also grün an den Wänden, es werden Walgeräusche gespielt, man kommt sich direkt wie im Wald vor. So etwas kannte ich bisher noch nicht von einem Flughafen, aber hier wird bereits der Maßstab gesetzt für das was da noch kommen sollte...
Draußen erwarten einen Blumen, in jeglicher Form (für einen Flughafen auch eher ungewöhnlich).





Im Hotel angekommen, es war bereits später Mittag, entschied ich mich, durch die Stadt zu laufen um dann nach Stirling raus zu fahren, Stirling Castle zu erkunden und etwas von den schottischen Highlands zu sehen.
Glasgow an sich hat keine großen Schönheiten zu bieten, die typischen Einkaufsstraßen die man überall findet gepaart mit alten Kirchen und Bauten.




Was auffällt sind die zweisprachigen Namensschilder an den Gebäuden, Englisch und ich vermute es ist Gälisch, bin mir da aber nicht sicher... Interessante Sprache, die auch in Zugansagen gesprochen wird und den eh schon schweren Dialekt nicht unbedingt einfacher macht.



Der Zug nach Sterling fährt alle 30min und ich hatte Glück da meiner gerade zur Abfahrt bereit stand. Ein Novum in Schottland sind die modernen Züge. Jede Einheit besitzt gratis WLAN Zugang was für mich als Internetjunkie natürlich Paradies ist...



Vorbei an Gebirgsformationen ging es nach Stirling welches rund 40min ausserhalb von Glasgow, auf einem Hügel liegt.
Der Weg zu Stirling Castle gestaltete sich etwas steil, zumal ich, wie so oft, bereits 20h auf den Beinen war und nicht mehr der fitteste. Nicht dass ich das sonst bin, aber zumindest meist ausgeschlafen...





Da zum Winter hin, sprich ab 01. Oktober die Öffnungszeiten geändert wurden, schloss der Ticketverkauf bereits um vier, was sich dahin gehend schlecht traf, da ich erst um kurz nach vier oben im Schloss ankam. So genoss ich die Aussicht, hielt ein Schwätzchen mit den Damen im Souvenirshop und begab mich zurück zur Bahnstation.






Im Zug konnte ich einen schönen Sonnenuntergang hinter grünen Hügeln genießen. In solchen Momenten wird mir klar, wie sehr naturverbunden ich wirklich bin, wie sehr ich einfach viel grün um mich herum brauche...

Der Rückweg war dann eher holprig, da am Ende die Polizei zur Verstärkung anrücken musste, da sich eine da Dame dazu entschied, dank zuviel Rotwein aufmüpfig zu werden...

Seit Anfang Oktober war ich zudem im Stress, zumindest kopftechnisch. Als Flugbegleiter, egal welcher Airline muss man einmal pro Jahr zum sog. Recurrent, in meinem Fall zwei Tagen gespickt mit Klausuren und Wissenstest, Simulatoreinheiten und Feuertest, die zur Lizenzerhaltung dienen und das Wissen im Kopf wieder etwas greifbarer machen sollen.
Zwischen meinem Glasgow und diesen beiden Tagen stand jedoch noch ein kurzer Hüpfer nach Pakistan an. Als dieser dann vorbei war, hieß es pauken bis nachts, da man rund 1000 Seiten Handbuch dann doch nicht täglich abrufen muss, zum Glück!




Nach zwei stressvollen Tagen war es dann alles geschafft. Zudem war es schön bekannte Gesichter im doch so anonymen Dubai zu sehen, da ich Teile meiner alten Trainingsgruppe mit dabei hatte und wir, wie bereits vor einem Jahr, lautstark unseren Spaß zum Besten gaben...


Mein Plan für den Rest des Monats sah nun noch einen Lahore, Medina und Delhi Turnaround vor, also ein Flug ohne Aufenthalt vor Ort. Da ich danach jedoch drei freie Tage hatte, bevor es für mich nach Moskau geht, konnte ich durch geschicktes tauschen meiner Flüge 4,5 freie Tage daraus machen. Delhi wurde zu einem freien Tag und Medina zu Dhaka. 

Das führt mich zu meinem nächsten Thema, Arbeiten mit Menschen aus Drittweltländern. Lahore liegt in Pakistan, relativ westlich. Pakistan hat in der nahen Vergangenheit traurige Bekanntheit erreicht, da hier von der einheimischen Airline Pakistan International Airlines, kurz PIA, eine Maschine in Peshawar beim Anflug auf den Flughafen angeschossen wurde. Eine Dame starb, ein paar Kollegen aus der Kabine mussten auf die Intensivstation, dem Rest ist außer einem großen Schrecken nichts passiert. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich dann ein paar Tage bevor ich nach Lahore geflogen bin, was dem ganzen nicht wirklich geholfen hat.
Um die Situation besser zu erklären muss ich etwas ausholen. Dubai besteht zu max 30% noch aus Emiratis, also Einheimischen. Der Rest sind sog. Expats, also Leute aus aller Welt wie ich, die nach Dubai gezogen sind um zu arbeiten. Dann gibt es eine Schicht, die nach Dubai kommt zum Arbeiten um den Expats das Leben zu ermöglichen. Diese armen Seelen kommen aus Dritt- oder Viertweltländern wie Pakistan, Bangladesh oder Nepal. 
Der Weg nach Lahore bringt also Arbeiter nach Hause, die seit langem nicht mehr zuhause waren, vollgepackt mit allen Dingen, die sie in Dubai zum Leben bzw. Überleben gebraucht haben. Diese Menschen haben bereits auf der Hinreise ein Flugzeug von innen gesehen und wissen zumindest vage was ein Gurt ist und wie die Toilette zu bedinenen ist bzw. dass sie zu bedinenen ist und nicht nur ein Loch in der Wand ist. Diese Flüge gestalten sich meist ganz angenehm, da die Gäste, meist Männer dankbar um jedes Lächeln sind, um jede extra Cola und Whiskey den sie bekommen ohne dass man die Miene verzieht.
Der Rückweg von solchen Zielen zurück nach Dubai bedeutet also, man bringt zum Teil neue Arbeiter in die künstliche Welt um sie auszubeuten. Diese kennen so gerade Strom und fliessend kaltes Wasser sowie eine offene Feuerstelle. Nun sollen die einen Touchscreen bedienen können um auf den 2,5h einen Film zu schauen, sie sollen das Menü lesen können und die blaue Taste in der Toilette als Spülung erkennen, finde den Fehler... Das führt dazu, dass viele Kollegen oft frustriert von solchen Flügen zurück kommen, denn sie erwaten zu viel...
Ich sage nicht, dass diese Flüge nicht anstrengend sind, aber sie sind eben anders als ein Flug nach München oder Hamburg, wo man weiß, dass so gut wie jeder der 500 Gäste schonmal einen Touchscreen bedient hat und sonst auch weiß wie er sich zu verhalten hat...

Samstags Abends bin ich dann nach Dhaka aufgebrochen, wir haben drei Flüge täglich in diese Stadt, einen davon als Aufenthalt auf den kleineren Airbus Modellen, auf denen ich leider nicht geschult bin. Kollegen erzählen davon, auch wie sie ein Waisenhaus besuchen und sich um die Kindern für einen Tag kümmern. Ich habe sehr viel Respekt vor diesen Kollegen, da ich selbst mit der Situation vor Ort nicht umgehen könnte. Ich konzentriere mich lieber auf meine Katzenhilfsorganisation in Dubai die Hilfe braucht...

Sonntag morgens wieder gekommen, in die nächste Maschine heim gesetzt, bis Donnerstag Abend. Dann geht es zurück, es wartet ein kurzer Kuwait auf mich, ein Hamburg, nochmal ein Kuwait und schließlich ein Shanghai auf den ich mich sehr freue, denn ich fliege endlich wieder mal mit Virginia und dazu noch an ihrem Geburtstag...